Freitag, 03. September 2021, 20:04 Uhr
von Dirk

Wir müssen das System ändern

Der Lobbyismus hat unser politisches System verseucht. Es ist krank. Wollen wir eine effektive Klimapolitik durchsetzen, müssen wir bereit sein für radikale Maßnahmen und radikale Veränderungen.

Ich bin wütend. Dieses System ist krank. Denn wäre es nicht krank, würden junge Menschen nicht für ihr Leben in den Hungerstreik treten (http://hungerstreik2021.de/).

2006 erschien das Buch „Der Klimawandel“ von Hans-Joachim Schellnhuber und Stefan Rahmstorf. Als ich dieses Buch damals las, war mir klar, was geschieht. Anderen war es schon deutlich vorher klar. Es hat bei mir eine Weile gedauert, bis ich jetzt aktiv geworden bin. Ausschlagegebend war ein Gespräch mit meinem Sohn, er ist 15. Ich wollte ihn ermutigen, aktiv zu werden. Und mir wurde klar, dass auch ich aktiv werden muss.

Was aber können wir tun? Es gibt zwei grundsätzliche Möglichkeiten. Innerhalb dieses Systems für Veränderungen zu kämpfen oder das System zu ändern. Wie es enden kann, wenn man versucht, das System von innen herausd zu verändern, sehen wir an den Grünen. Ihr Motto war anfangs der Marsch durch die Institutionen. Was dabei rausgekommen ist, hat Hans-Jochen Vogel vor vielen Jahren gut zusammengefasst: „Der Marsch durch die Institutionen hat die Marschierenden mehr verändert als die Institutionen.“ Trotzdem ist es aus meiner Sicht wichtig, beide Wege zu verfolgen.

Unser politisches System ist nicht grundsätzlich schlecht. Aber es gibt zu viele Dinge, die es schlecht macht. Da ist allen voran der Lobbyismus. Wenn Blackrock der EU mit „Expertenrat“ bzgl. des Finanzmarktes berät. Ein anderes Beispiel ist Stanislaw Tillich (https://de.wikipedia.org/wiki/Stanislaw_Tillich). Nachdem er sich bereits als Ministerpräsident von Sachsen für die Braunkohle stark gemacht hat, war er danach dann einer der Vorsitzenden der Kohlekommission, die den Ausstieg 2038 vorbereitet hat. Und wundersamerweise ist er seit 01.09.2019 Aufsichtsratsvorsitzender der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft. Wir werden nie eine Chance auf effektiven Klimaschutz und damit Generationengerechtigkeit haben, so lange dieses System so läuft. Und dieses System läuft so, es sind nicht einige Einzelfälle. Lobbyismus hat die Parteien durchseucht und die Politik verseucht. Wie kann es z.B. sonst sein, dass Parteien nicht offenlegen müssen, wieviel sie durch Sponsoring auf Parteitagen einnehmen?

Wenn wir unseren Kindern und Enkelkindern eine lebenswerte Erde hinterlassen wollen, dann müssen wir dieses System ändern. Die Frage stellt sich angesichts des geleakten IPCC Berichts, der im März 2022 offiziell erscheinen wird, wie wir das noch schaffen wollen. Wir müssen aufklären, Menschen mobilisieren. Mir ist bewusst, dass nicht jeder in den Hungerstreik treten will. Ich tue das auch nicht, habe mich für einen anderen Weg entschieden. Aber ich respektiere jeden auch radikalen Weg, die Erde lebenswert zu erhalten. Den das radikalste überhaupt ist es, die Lebensgrundlage der Menschen zu zerstören. Und das tun die, die derzeit die Macht haben.